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Aus der Chronik
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Mormonen
im Toggenburg
Geschichte und Entwicklung
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Ganze
Maturarbeit
(mit
Geschichte der Kirche)
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Benjamin Weber
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Der folgende ausführliche Bericht stammt von Benjamin
Weber, welche er für seine Maturaarbeit im Juni 2002 an der Kantonschule Wattwil
(SG) geschrieben hat. Durch seine gründlichen Nachforschung, erhielten wir
einen detaillieren Bericht über die Herkunft der Mormonen im Toggenburg. Mit
seiner freundlichen Genehmigung habe ich diese Arbeit veröffentlicht und danke
ihm für seine Arbeit.
Aufgrund der Themeneinteilung ist hier nur ein Teil der Arbeit im HTML-Format zu
lesen. Jedoch kann - und ist sehr empfehlenswert - die ganze Arbeit im
PDF-Format herunter geladen und gelesen werden.
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Mormonen im Toggenburg
Verfolgung,
Leid und Entwicklung
Maturaarbeit Juni 2002
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Die
Geschichte der Mormonen im Toggenburg ist eine Geschichte von Familien, welche
trotz Widerstand versuchten zu ihrem Glauben zu stehen und immense Strapazen auf
sich nehmen mussten. Das Geschehen konzentrierte sich hauptsächlich auf die
Gemeinden Ebnat-Kappel, Wattwil und Hemberg.
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2.1.
Erste Missionare und Taufen
Das
Toggenburg im 19. Jh: Die Industrialisierung hatte auch hier festen Fuss gefasst
und die Menschen waren in grosser Umbruchstimmung.
Abb. 11: Familie Sturzenegger, welche
1882
teilweise nach Amerika auswanderte
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Während
dieser Zeit, am 8. November 1843, erblickte Elisabetha Brunner vom Hemberg
das Licht dieser Welt. Sie wuchs zu einer gläubigen Frau heran. 21 Jahre
später, 1864, kamen die ersten Missionare aus St.Gallen über Herisau,
Brunnadern, Hemberg und die Wasserfluh ins Toggenburg. Elisabetha liess
sich als erste im Toggenburg, am 23. August 1864, taufen. Mit ihrem
Ehemann, Niklaus Sturzenegger aus Ebnat-Kappel, den sie 1864 heiratete,
der sich aber nicht der Kirche anschloss, bekam sie 5 Kinder: Johann Jacob
(1865); Niklaus (1866); Susanna (1868); Rudolf (1872), er verstarb 1878 an
Keuchhusten, und Marie (1881).
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Leider
wurde 1881 die Verfolgung so gross, dass sich die Eltern entschlossen nach
Amerika - in das Land der Freiheit - auszuwandern. Am 5. März 1882 emigrierte
Elisabetha mit drei von ihren Kindern wie tausende europäische Mormonen über
Liverpool nach New York in die neue Welt. Ihr Mann hatte den erst kürzlich
getauften Sohn Niklaus am Abend vor der Abreise - als schon das ganze Gut der
Familie verkauft war - überredet mit ihm zu Hause zu bleiben. Während der Überfahrt
auf der S.S.Nevada verstarb die erst halbjährige Marie. Elisabetha Brunner
starb 1926 in Santa Clara, Utah.
2.2.
Die Mormonen-Pionierfamilien im Toggenburg
2.2.1.Familie
Sturzenegger
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Niklaus
Sturzenegger, der mit seinem Vater zu Hause blieb, wurde am 3. Juni 1866
in Wattwil geboren. Er war sein Leben lang ein treues Mitglied der Kirche
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Am 6. März 1888 heiratete er
Elisabetha Künzli aus Ebnat-Kappel. Sie liess sich 1902 durch die Hilfe
der Missionare ebenfalls taufen. Die beiden hatten neun Kinder. Alle
liessen sich taufen, sobald sie das Alter von acht Jahren erreicht hatten.
Die Tochter Elisa wurde jedoch nie getauft.
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Abb. 12: Das Sturzeneggerhaus in der Nassschwendi in
Ebnat-Kappel - Das erste "Versammlungsgebäude" der
Mitglieder der HLT-Kirche.
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Während
dieser Zeit schlossen sich viele Familien im Toggenburg der Kirche an, wovon die
meisten später nach Utah auswanderten. Niklaus leitete in seinem Haus sonntägliche
Versammlungen. Im Jahr 1914 wanderten er, seine Frau und fünf seiner Kinder,
Niklaus, Katharina, Annetta, Jakob und Frieda (Tochter Verena war schon 1912 mit
ihrem Mann Abraham Looser ausgewandert), gemeinsam mit einer Familie Keller vom
Hemberg nach Providence, Utah, aus. Die Verfolgung wurde einfach zu gross. Drei
Kinder, Babetta, Elisa und Marie, blieben zurück. Elisa liess sich erst nach
dem Tod ihres Gatten Ulrich Hartmann aus Ebnat-Kappel taufen. Elisa wurde im
hohen Alter ein sehr aktives Mitglied. Ihr Mann war kein Mitglied und auch ihre
sechs Kinder liessen sich nie taufen.2
2.2.2.
Familie Looser
Babetta
Sturzenegger, geboren am 21. Mai 1888, heiratete am 8. Dezember 1908 Ulrich
Looser aus Ebnat-Kappel, welcher zu jenem Zeitpunkt bereits Mitglied der Kirche
war. Den beiden wurden fünf Mädchen und drei Knaben geboren. Nach dem Tod von
Babetta im Jahre 1935 heiratete Ulrich ein Nichtmitglied und verlor den Kontakt
mit der Kirche. Die acht Kinder besuchten noch einige Zeit die Versammlungen,
welche auf dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel bei der Familie Mettler abgehalten
wurden. Bald blieben sie ebenfalls weg und kamen nicht mehr.
Abb. 13: Marie Sturzenegger und Josef
Mettler bei ihrer Hochzeit 1915. |
2.2.3.
Familie Mettler
Die
dritte Tochter von Niklaus Sturzenegger, welche nicht auswanderte, war
Marie. Sie wurde am 6. Januar 1895 geboren und heiratete am 4. Mai 1915
Josef Mettler aus Ebnat-Kappel. Leider waren Josef und seine Eltern grosse
Gegner der Kirche. Trotz diesen Schwierigkeiten besuchte Marie so oft es
ging die Versammlungen auf der Mistelegg und nahm jeden Sonntag den mühsamen
Weg zu Fuss auf sich. Die Familie Mettler war mit drei Kindern gesegnet. |
1925,
zehn Jahre nach der Trauung, liess sich Josef Mettler zur grossen Überraschung
taufen. Wegen seiner ungewöhnlich starken missionarischen Tätigkeit trug er
schon bald den Übernamen „Sektenprediger vom Hüsliberg“. Auf dem Hüsliberg
waren noch andere Glaubensgemeinschaften vertreten, im Volksmund bezeichnet
hiess er „Sektenhügel“.
2.2.4.
Familie Giezendanner
Josef
Mettlers Schwester Elisabeth schloss sich zwei Jahre nach der Taufe ihres
Bruders ebenfalls der Kirche an. Jakob Albert Giezendanner aus Wattwil, den sie
sieben Jahre zuvor am 20. September 1920 geheiratet hatte, blieb sein Leben lang
ein Nichtmormone. Er erlaubte es jedoch seiner Frau bei den HLT aktiv zu sein.
Aus dieser Ehe entsprangen drei Kinder: Albert, Elisabeth und Klara. Albert und
Elisabeth besuchten mit ihrer Mutter die Versammlungen.
2.2.5
Familie Abderhalden
Jakob
Mettler, der Sohn von Marie Sturzenegger und Josef Mettler, lud seinen Freund
Gottfried Abderhalden vermehrt in die Versammlungen ein. Dieser liess sich später
taufen. Auf diese Weise lernten sich Elisabeth Giezendanner und Gottfried
Abderhalden kennen. 1945 gaben sich die beiden das Ja-Wort. Ihre Ehe wurde mit fünf
der Kirche treuen Kindern gesegnet.
2.3
Versammlungsorte
Abb. 14: Das Sturzeneggerhaus in
der Nassschwendi in Ebnat-Kappel. |
Die
sonntäglichen Versammlungen wurden immer bei Mitgliedern zu Hause
abgehalten. Ein eigenes Versammlungsgebäude wurde erst im Jahre 1964
vollendet. Die Familie Niklaus Sturzenegger hielt in ihrem Heim in der
Nassschwendi in Ebnat-Kappel (Abb. 14) bis 1914 Verammlungen ab, bis die
ganze Familie ausser drei Töchter nach Amerika auswanderte. |
| Ulrich
Looser, der Mann von der daheimgebliebenen Babetta Sturzenegger, hatte
einen Bruder. Dessen Heim auf der Mistelegg in Ebnat-Kappel (Abb. 15)
diente zunächst bis 1925 abwechslungsweise mit dem Heim der Familie
Mettler auf dem Hüsliberg (Abb. 16) als
Versammlungsort. |
Abb. 15: Das Looserhaus auf
der Mistelegg im Hemberg |
Abb. 16: Das Mettlerhaus auf
dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel. |
Über
denselben Zeitraum hinweg, wurde die Sonntagsschule bei einer Schwester
Babetta Brunner auf dem Tüetlisberg in Wattwil (Abb. 17) abgehalten,
sofern nicht die Sonntagsschule bei der Familie Looser oder Mettler statt
fand. |
| Ab
1925 war das Heim von Marie und Josef Mettler (Abb. 16) abwechslungsweise
mit dem Haus von Elisabeth Giezendanner in Ulisbach (Abb. 18)
Versammlungsort für Sonntagsschule und Versammlungen. Missionare aus
St.Gallen betreuten während dieser Zeit die Mitglieder. Sie reisten jeden
Sonntag mit dem Zug nach Wattwil bzw. Ebnat-Kappel. |
Abb. 17: Das „Türmlihaus“ der Babetta
Brunner auf dem Tüetlisberg in Wattwil. |
Abb. 18: Das Haus von Schwester
Giezendanner in Ulisbach, Wattwil. |
Ab
1947, als die Familie Abderhalden im Lei in Ebnat-Kappel wohnte, fanden
Versammlungen alternierend bei Abderhalden (Abb. 19) und Mettler (Abb. 16)
statt. |
| Die
Familie Abderhalden wurde bald mit vielen Kindern gesegnet. Das führte
dazu, dass mehr Gottesdienste im Lei als auf dem Hüsliberg abgehalten
wurden. Ab 1950 fanden dann alle Treffen nur noch bei Abderhalden in
Ebnat-Kappel (Abb. 19) statt. |
Abb. 19: Das Abderhaldenhaus
im Lei, Ebnat-Kappel. |
Bei
eisiger Kälte im Winter war für einige Mitglieder nicht selten der Schlitten
das Transportmittel zur Kirche. Der lange Weg wurde sonst bei jedem Wetter zu
Fuss zurückgelegt.
2.4.
Widerstand
2.4.1.
Abraham Looser – Ein starker Gegner der Kirche
Verena
Sturzenegger, die Tochter von Niklaus
und Elisabetha Sturzenegger, wurde am 12. März 1881 in Ebnat-Kappel
geboren. Sie heiratete Abraham Looser vom Hemberg, der wie sie Mitglied der
Kirche war. 1912 wanderten sie und ihr Ehemann nach Utah in die Vereinigten
Staaten aus. Zwei Jahre später folgten die Eltern und fünf Geschwister von
Verena.
In
Utah erhielt Abraham nach einiger Zeit eine Vollzeitanstellung bei der Kirche.
Zu seinem Nachteil masste er sich in der Kirche zu viel an und wurde auf Grund
seines Verhaltens von der Kirchenführung exkommuniziert. Er fühlte sich so
beleidigt, dass er Fehler und Widersprüche in den Heiligen Schriften zu suchen
begann. Er verspürte den Wunsch das Toggenburg zu besuchen, um dort seine
Verwandten vor dem „Mormonismus“ zu warnen.
Diesen
Wunsch erfüllte er sich in den Jahren 1955 und 1957. V.a. hielt er Vorträge im
damaligen Restaurant Ochsen in Ebnat-Kappel. Er zitierte die HLT-Schriften und
legte von ihm kreierte Widersprüche dar. Der Saal im Restaurant war bei all
seinen Vorträgen gefüllt. Sogar die „Toggenburger Nachrichten“ druckten
einen seiner Vorträge ab.
Abraham,
ein grosser, schlanker, schwarz gekleideter Mann, konnte die Menschen
hervorragend manipulieren. Er brachte es sogar fertig während seinen Besuchen
bei Mitgliedern zu übernachten. Natürlich glaubten die Einheimischen seinen
Worten, denn „...er weiss es, er isch dene [in Utah] gsi...“. Auch heute ist
Abraham Looser bei älteren Einwohnern Ebnat-Kappels und Umgebung noch ein
Begriff. Bei ihnen sind Sätze wie „...de Abraham hets gwüsst...“ und Ähnliches
nicht selten zu hören. Im Gegensatz zu Abraham blieb seine Frau Verena ihr
Leben lang der Kirche treu.
2.4.2.
Zeitungen und andere Kirchen
Beim
Forschen in den Bereichen Zeitungen und andere Kirchen kam folgendes Ergebnis zu
Tage. Ausserhalb des Toggenburgs war der Widerstand von öffentlichen oder
religiösen Organen wesentlich grösser als innerhalb. Die katholische sowie die
evangelische Kirche haben die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
im Toggenburg nie direkt angegriffen. Warnungen oder Ähnliches von Pfarrern und
Priestern waren gerade das einzige was an Widerstand von den beiden
Landeskirchen anzutreffen war.
Die
Zeitungen verhielten sich ruhig. Über die „Toggenburger Mormonen“ wurde
selten etwas geschrieben, was von Herrn Fuchs, Druckereileiter der Druckerei
Fuchs in Ebnat-Kappel, bestätigt wurde.
Widerstand
ging hauptsächlich von Privatpersonen aus, nicht von öffentlichen Stellen.
Dies machte den Mitgliedern das Leben oft unerträglich und viele HLT sahen sich
geradezu gezwungen nach Utah auszuwandern
Warum
war der Widerstand so einseitig vertreten? Im Toggenburg schlossen sich hauptsächlich
(Bauern-)Familien von ausserhalb der Dörfer der Kirche an. Das hatte zur Folge,
dass die Dörfer nicht direkt von den Missionaren und ganz allgemein vom „Mormonismus
überfallen“ wurden. D.h. Kirchen wie auch Zeitungen nahmen diese neue Lehre
ganz anders wahr, als wenn die Missionare in den Dörfern missioniert hätten.
2.5.
Auswanderung nach Amerika
In
den USA musste die Kirche in ihrem Anfangsstadium unter immenser Verfolgung und
Unterdrückung leiden. Als die Mormonen jedoch im Salzseetal ankamen, hatten sie
nicht mehr gegen die Verfolgung zu kämpfen, sondern gegen die Dürre und Öde
der Wüste. Die Herausforderung bestand darin, eine neue Zivilisation
aufzubauen.
Die
Kirche gründete den „Ständigen Auswanderungsfond“. Mit dem in diesen Fond
einbezahlten Geld finanzierte die Kirche armen Mitgliedern auf der ganzen Welt
die Reise nach Utah. Sobald diese Mitglieder in Utah oder Umgebung waren und
genug Geld verdienten, bezahlten sie den geliehenen Betrag zurück.
Da
gerade im Toggenburg die Unterdrückung der Mitglieder durch die Anwohner
schnell nicht mehr erträglich war, wurde dieser Fond auch hier rege genutzt.
Manche finanzierten sich die Reise selber, indem sie ihr ganzes Hab und Gut
verkauften. Als erste tat dies 1882 Elisabetha Sturzenegger mit drei ihrer
Kinder. Andere taten es ihr gleich. Viele Familien wanderten bald nach ihrer
Taufe aus.
Dadurch
war die Mitgliederzahl oft rückläufig. Schätzungsweise wanderten bis zum
Jahre 1930 an die 100 Mitglieder aus dem Toggenburg nach Utah aus. Brigham Young
sandte einige davon in den Süden, um dort eine Siedlung zu gründen. Immer noch
erinnern in der Stadt Santa Clara Bezeichnungen wie „Swiss Drive“ oder
„Swiss Town“ und zahlreiche Menschen mit Schweizer Vorfahren an jene
Periode.
2.6.
Gemeindegründung
Bis
1955 waren die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
im Toggenburg der Gemeinde St.Gallen angegliedert.
Während
des Ersten und Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit wurden oftmals nur
dann Versammlungen abgehalten, wenn ein Mitglied aus St.Gallen diese leitete.
Ab
1950 hielten die Mitglieder die Sonntagsschulen wöchentlich bei der Familie
Abderhalden im Lei in Ebnat-Kappel ab. Es verstärkte sich der Wunsch eine
selbstständige Gemeinde zu sein, denn ohne Betreuung durch Missionare oder
andere Mitglieder aus der Gemeinde St. Gallen konnten keine Versammlungen
abgehalten werden.
Am
6. Juni 1954 war es endlich so weit: Der Missionspräsident der Schweizerisch-Österreichischen
Mission William F. Perschon organisierte die Gruppe in Ebnat-Kappel in einen
Zweig um. Als erster Präsident des Zweiges Ebnat wurde Gottfried Abderhalden
eingesetzt. Sein Ratgeber war Albert Giezendanner, Sohn der Elisabeth und des
Jakob Albert Giezendanner. Damals waren die Dörfer Ebnat und Kappel noch
getrennt. Bei deren politischen Vereinigung 1965 behielt der HLT-Zweig den Namen
Ebnat und wurde nicht mit Kappel ergänzt.
2.7.
Gemeindehausbau
| Der
Zweig war gegründet, es fehlte jedoch noch immer an einem zentralen
Versammlungsgebäude. Die Kirche lancierte zum grossen Glück des Zweiges
in jenen Jahren ein weltweites Bauprojekt. Baumissionare wurden berufen,
damit sie mit Hilfe der Mitglieder Versammlungsgebäude errichteten. So
entstanden in jener Zeit das Versammlungshaus in Ebnat-Kappel, das
Pfahlhaus in Zürich-Schwamendingen und noch einige mehr. |
Abb. 20: Das Gemeindehaus
in Ebnat-Kappel im Rohbau. |
Abb. 21: Der Missionspräsident Russon beim
Spatenstich für das neue Versammlungsgebäude. |
Seit
der Gemeindegründung suchte Gottfried Abderhalden nach geeigneten
Bauplätzen. Über Jahre hinweg war dies seine einzige
Freizeitbeschäftigung. Mit Erfolg wie sich zeigte. Am 30. März 1963
konnte bei Schneegestöber der Spatenstich durch John M. Russon,
Präsident der Schweizer Mission, erfolgen (Abb. 21). Viele Gäste waren
anwesend, darunter auch einige Nichtmitglieder. Schwester Giezendanner und
Schwester Mettler kochten für die Anwesenden. Dieser Tag war einer der
Höhepunkte der Kirche im Toggenburg. |
Einen
Tag danach, am 31. März traf der Bauleiter Walter Hertig (emigrierter
Schweizer) mit seiner Gattin und zwei seiner Söhne aus Salt Lake City in
Wattwil ein. Im Juli desselben Jahres kam der erste Baumissionar aus
Deutschland.
|
Die
Baumissionare wohnten bei den Mitgliedern und wurden mit Nahrung und
Kleidung versorgt. So hausten bei der Familie Abderhalden, Kägi (Zuzügler
aus Arbon), Mettler und Schwester Giezendanner manchmal bis zu fünf oder
mehr junge Männer. Diese jungen Männer waren eine grosse Freude für den
Zweig. Die Mütter nannten sie ihre „grossen Söhne“. – Natürlich
waren es nicht nur diese hervorragenden Burschen, welche das Gebäude auf
die Beine stellten, auch die Mitglieder selbst halfen eifrig mit. Nach
Feierabend halfen die Männer auf dem Bau und die Frauen sorgten ständig
für Verpflegung. Sogar die Kinder waren, sofern sie nebst der Schule Zeit
fanden, auf dem Bau anzutreffen.
|
Abb. 22: So sieht das Gemeindehaus heute aus. |
Mitglieder
aus anderen Gemeinden, v.a. die Familie Marbacher aus Luzern, unterstützten den
Zweig Ebnat materiell. Einmal fand Lisi Mettler zwei grosse Lebensmittelsäcke
und einen Geldbeutel vor ihrer Tür hängen. Erst Jahre später erfuhr sie,
woher die überaus grosszügige Spende kam und revanchierte sich.
Endlich
war es soweit, am 28. November 1964 war das Gebäude zum grössten Teil
fertiggestellt und die erste Versammlung fand darin statt. Danach wurden die
Missionare auf andere Baustellen geschickt. Siegfried Just aus Deutschland
blieb. Er half den Zweig in geistiger Hinsicht aufzubauen. Dies war das erste
von Baumissionaren fertiggestellte Versammlungsgebäude in der Schweiz.
Am
18. Juli 1965 sprach Ezra Taft Benson vom Rat der Zwölf,
Landwirtschaftsminister im Eisenhower-Kabinett und späterer Prophet der Kirche,
das Einweihungsgebet.
2.8.
Die Kirche entwickelt sich
2.8.1.
FHV-Gründung
„6
Schwestern, doch alle verspürten denselben Wunsch, sich in einer
Frauenhilfsvereinigung zusammenzuschliessen. Am Abend, den 14. Januar 1951, ging
dieser Wunsch in Erfüllung. Ein wunderbarer Geist war unter uns als die Präsidentschaft
vorgeschlagen, bestätigt und eingesetzt wurde. Die Schwestern umrahmten die
Feier mit einigen Liedern. Mit Tee und Konfekt schlossen wir diesen grossen Tag.
Wir waren so begeistert von unserer Frauenhilfsvereinigung, dass wir uns immer
sehr spät trennten.“
Die
FHV wurde im Haus der Familie Abderhalden gegründet. Elisabeth Giezendanner
wurde als erste Präsidentin eingesetzt. Sie führte die FHV trotz hohen Alters
bis am 13. März 1966. Die Schwestern der FHV trafen sich seit der Gründung
regelmässig.
Am
4. Januar 1953 erfuhr die FHV eine Neugründung. 1957 führte sie eine
Geschirrkasse ein, mit dessen Inhalt Geschirr für ein künftiges Gemeindehaus
finanziert werden sollte, was später auch geschah.
Einige
male hielt die FHV Basare ab um die Geschirrkasse zu füllen oder finanzielle
Unebenheiten zu bereinigen. So war dies z.B. 1955 und 1958. Die Schwestern der
FHV haben Grossartiges geleistet! Sie organisierten unzählige Aktivitäten,
Begrüssungsfeiern für neue Mitglieder und zurückgekehrte Missionare. Sie
waren immer eine moralische Stütze für den Zweig. Während den gesamten Jahren
des Gemeindehausbaues sorgten sie liebevoll für die Baumissionare und halfen
auch tatkräftig auf dem Bau mit. Heute zählt die FHV-Ebnat an die 20
Mitglieder.
2.8.2.
Dienstprojekte und Öffentlichkeitsarbeit
Die
Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erzählen nicht
nur vom Evangelium, sondern betätigen sich gemeinsam mit den Mitgliedern in der
Öffentlichkeit. Sie bieten nicht nur ihre Hilfe den politischen Gemeinden an,
sondern Informieren auch über Aktivitäten, Events und Lehre ihrer Kirche. Die
angeführte Liste gibt einen kleinen Einblick:
-
Am
27. und 28. November 1964 wurde herzlich zur Besichtigung des fertiggestellten
Gemeindehauses eingeladen.
-
Am
27. März 1965 wurde im Gemeindehaus ein Abend mit klassischer Musik gestaltet.
-
Am
13. September 1974 organisierte die Kirche in der Aula der Kantonsschule Wattwil
einen Filmabend mit „Was uns das alte Amerika erzählt“ und „Das sind die
Mormonen“.
-
Am
26. Juli 1975 wurde im Gemeindehaus Ebnat der Film „Was uns das alte Amerika
erzählt“ erneut vorgeführt.
-
Am
12.November 1977 fand ein Nachmittag lang eine Vorstellung zum Thema Notvorrat
im Gemeindehaus Ebnat statt. Die Kirche lancierte eine schweizweite Aktion unter
dem Motto „Vorsorge ist besser als Fürsorge“.
- Letztes
grösseres Ereignis war anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der
Ankunft der Pioniere im Salzseetal 1847. Jede Gemeinde bzw. jeder
Zweig schenkte ihrer politischen Gemeinde 150 Arbeitsstunden zum
Dienste der Öffentlichkeit. Somit halfen die Mitglieder mit grossem
Einsatz im Herbst 1998 beim Bau von vier Feuerstellen im Gebiet
Salomonstempel in Ebnat-Kappel mit.
|
Abb. 24: Eine der vier Feuerstellen
im Gebiet Salomonstempel. |
2.9.
Situationsplan

Abb. 25: Situationsplan
Legende:
-
Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage,
Steinfelsstr. 17, 9642 Ebnat-Kappel.
-
Dienstprojekt „150 Jahre Ankunft der Pioniere im Salzseetal“ im
Gebiet Salomonstempel in Ebnat-Kappel.
-
Sturzeneggerhaus in der Nassschwendi in
Ebnat-Kappel.
-
Looserhaus auf der Mistelegg im
Hemberg.
-
Mettlerhaus auf dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel.
-
„Türmlihaus“ auf dem Tüetlisberg in
Wattwil.
-
Giezendannerhaus in Ulisbach in
Wattwil.
-
Abderhaldenhaus im Lei in Ebnat-Kappel.
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