Aus der Chronik 

Mormonen im Toggenburg
Geschichte und Entwicklung

Ganze Maturarbeit 

(mit Geschichte der Kirche)

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Benjamin Weber

Der folgende ausführliche Bericht stammt von Benjamin Weber, welche er für seine Maturaarbeit im Juni 2002 an der Kantonschule Wattwil (SG) geschrieben hat. Durch seine gründlichen Nachforschung, erhielten wir einen detaillieren Bericht über die Herkunft der Mormonen im Toggenburg. Mit seiner freundlichen Genehmigung habe ich diese Arbeit veröffentlicht und danke ihm für seine Arbeit. 
Aufgrund der Themeneinteilung ist hier nur ein Teil der Arbeit im HTML-Format zu lesen. Jedoch kann - und ist sehr empfehlenswert - die ganze Arbeit im PDF-Format herunter geladen und gelesen werden. 

 

Mormonen im Toggenburg

Verfolgung, Leid und Entwicklung

Maturaarbeit Juni 2002

Die Geschichte der Mormonen im Toggenburg ist eine Geschichte von Familien, welche trotz Widerstand versuchten zu ihrem Glauben zu stehen und immense Strapazen auf sich nehmen mussten. Das Geschehen konzentrierte sich hauptsächlich auf die Gemeinden Ebnat-Kappel, Wattwil und Hemberg.

 2.1. Erste Missionare und Taufen

Das Toggenburg im 19. Jh: Die Industrialisierung hatte auch hier festen Fuss gefasst und die Menschen waren in grosser Umbruchstimmung.

Abb. 11: Familie Sturzenegger, welche 1882
 teilweise nach Amerika auswanderte

Während dieser Zeit, am 8. November 1843, erblickte Elisabetha Brunner vom Hemberg das Licht dieser Welt. Sie wuchs zu einer gläubigen Frau heran. 21 Jahre später, 1864, kamen die ersten Missionare aus St.Gallen über Herisau, Brunnadern, Hemberg und die Wasserfluh ins Toggenburg. Elisabetha liess sich als erste im Toggenburg, am 23. August 1864, taufen. Mit ihrem Ehemann, Niklaus Sturzenegger aus Ebnat-Kappel, den sie 1864 heiratete, der sich aber nicht der Kirche anschloss, bekam sie 5 Kinder: Johann Jacob (1865); Niklaus (1866); Susanna (1868); Rudolf (1872), er verstarb 1878 an Keuchhusten, und Marie (1881).

Leider wurde 1881 die Verfolgung so gross, dass sich die Eltern entschlossen nach Amerika - in das Land der Freiheit - auszuwandern. Am 5. März 1882 emigrierte Elisabetha mit drei von ihren Kindern wie tausende europäische Mormonen über Liverpool nach New York in die neue Welt. Ihr Mann hatte den erst kürzlich getauften Sohn Niklaus am Abend vor der Abreise - als schon das ganze Gut der Familie verkauft war - überredet mit ihm zu Hause zu bleiben. Während der Überfahrt auf der S.S.Nevada verstarb die erst halbjährige Marie. Elisabetha Brunner starb 1926 in Santa Clara, Utah.

 

2.2. Die Mormonen-Pionierfamilien im Toggenburg

2.2.1.Familie Sturzenegger

Niklaus Sturzenegger, der mit seinem Vater zu Hause blieb, wurde am 3. Juni 1866 in Wattwil geboren. Er war sein Leben lang ein treues Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Am 6. März 1888 heiratete er Elisabetha Künzli aus Ebnat-Kappel. Sie liess sich 1902 durch die Hilfe der Missionare ebenfalls taufen. Die beiden hatten neun Kinder. Alle liessen sich taufen, sobald sie das Alter von acht Jahren erreicht hatten. Die Tochter Elisa wurde jedoch nie getauft.

Abb. 12: Das Sturzeneggerhaus in der Nassschwendi in
 Ebnat-Kappel - Das erste "Versammlungsgebäude" der
 Mitglieder der HLT-Kirche.

Während dieser Zeit schlossen sich viele Familien im Toggenburg der Kirche an, wovon die meisten später nach Utah auswanderten. Niklaus leitete in seinem Haus sonntägliche Versammlungen. Im Jahr 1914 wanderten er, seine Frau und fünf seiner Kinder, Niklaus, Katharina, Annetta, Jakob und Frieda (Tochter Verena war schon 1912 mit ihrem Mann Abraham Looser ausgewandert), gemeinsam mit einer Familie Keller vom Hemberg nach Providence, Utah, aus. Die Verfolgung wurde einfach zu gross. Drei Kinder, Babetta, Elisa und Marie, blieben zurück. Elisa liess sich erst nach dem Tod ihres Gatten Ulrich Hartmann aus Ebnat-Kappel taufen. Elisa wurde im hohen Alter ein sehr aktives Mitglied. Ihr Mann war kein Mitglied und auch ihre sechs Kinder liessen sich nie taufen.2

2.2.2. Familie Looser

Babetta Sturzenegger, geboren am 21. Mai 1888, heiratete am 8. Dezember 1908 Ulrich Looser aus Ebnat-Kappel, welcher zu jenem Zeitpunkt bereits Mitglied der Kirche war. Den beiden wurden fünf Mädchen und drei Knaben geboren. Nach dem Tod von Babetta im Jahre 1935 heiratete Ulrich ein Nichtmitglied und verlor den Kontakt mit der Kirche. Die acht Kinder besuchten noch einige Zeit die Versammlungen, welche auf dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel bei der Familie Mettler abgehalten wurden. Bald blieben sie ebenfalls weg und kamen nicht mehr.

Abb. 13: Marie Sturzenegger und Josef
 Mettler bei ihrer Hochzeit 1915.

2.2.3. Familie Mettler

Die dritte Tochter von Niklaus Sturzenegger, welche nicht auswanderte, war Marie. Sie wurde am 6. Januar 1895 geboren und heiratete am 4. Mai 1915 Josef Mettler aus Ebnat-Kappel. Leider waren Josef und seine Eltern grosse Gegner der Kirche. Trotz diesen Schwierigkeiten besuchte Marie so oft es ging die Versammlungen auf der Mistelegg und nahm jeden Sonntag den mühsamen Weg zu Fuss auf sich. Die Familie Mettler war mit drei Kindern gesegnet.

1925, zehn Jahre nach der Trauung, liess sich Josef Mettler zur grossen Überraschung taufen. Wegen seiner ungewöhnlich starken missionarischen Tätigkeit trug er schon bald den Übernamen „Sektenprediger vom Hüsliberg“. Auf dem Hüsliberg waren noch andere Glaubensgemeinschaften vertreten, im Volksmund bezeichnet hiess er „Sektenhügel“.

2.2.4. Familie Giezendanner

Josef Mettlers Schwester Elisabeth schloss sich zwei Jahre nach der Taufe ihres Bruders ebenfalls der Kirche an. Jakob Albert Giezendanner aus Wattwil, den sie sieben Jahre zuvor am 20. September 1920 geheiratet hatte, blieb sein Leben lang ein Nichtmormone. Er erlaubte es jedoch seiner Frau bei den HLT aktiv zu sein. Aus dieser Ehe entsprangen drei Kinder: Albert, Elisabeth und Klara. Albert und Elisabeth besuchten mit ihrer Mutter die Versammlungen.

2.2.5 Familie Abderhalden

Jakob Mettler, der Sohn von Marie Sturzenegger und Josef Mettler, lud seinen Freund Gottfried Abderhalden vermehrt in die Versammlungen ein. Dieser liess sich später taufen. Auf diese Weise lernten sich Elisabeth Giezendanner und Gottfried Abderhalden kennen. 1945 gaben sich die beiden das Ja-Wort. Ihre Ehe wurde mit fünf der Kirche treuen Kindern gesegnet.

 

2.3 Versammlungsorte

Abb. 14: Das Sturzeneggerhaus in
der Nassschwendi in Ebnat-Kappel.

Die sonntäglichen Versammlungen wurden immer bei Mitgliedern zu Hause abgehalten. Ein eigenes Versammlungsgebäude wurde erst im Jahre 1964 vollendet. Die Familie Niklaus Sturzenegger hielt in ihrem Heim in der Nassschwendi in Ebnat-Kappel (Abb. 14) bis 1914 Verammlungen ab, bis die ganze Familie ausser drei Töchter nach Amerika auswanderte.
Ulrich Looser, der Mann von der daheimgebliebenen Babetta Sturzenegger, hatte einen Bruder. Dessen Heim auf der Mistelegg in Ebnat-Kappel (Abb. 15) diente zunächst bis 1925 abwechslungsweise mit dem Heim der Familie Mettler auf dem Hüsliberg (Abb. 16) als Versammlungsort.

Abb. 15: Das Looserhaus auf
der Mistelegg im Hemberg

Abb. 16: Das Mettlerhaus auf
dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel.

Über denselben Zeitraum hinweg, wurde die Sonntagsschule bei einer Schwester Babetta Brunner auf dem Tüetlisberg in Wattwil (Abb. 17) abgehalten, sofern nicht die Sonntagsschule bei der Familie Looser oder Mettler statt fand.
Ab 1925 war das Heim von Marie und Josef Mettler (Abb. 16) abwechslungsweise mit dem Haus von Elisabeth Giezendanner in Ulisbach (Abb. 18) Versammlungsort für Sonntagsschule und Versammlungen. Missionare aus St.Gallen betreuten während dieser Zeit die Mitglieder. Sie reisten jeden Sonntag mit dem Zug nach Wattwil bzw. Ebnat-Kappel.

Abb. 17: Das „Türmlihaus“ der Babetta
Brunner auf dem Tüetlisberg in Wattwil.

Abb. 18: Das Haus von Schwester
Giezendanner in Ulisbach, Wattwil.

Ab 1947, als die Familie Abderhalden im Lei in Ebnat-Kappel wohnte, fanden Versammlungen alternierend bei Abderhalden (Abb. 19) und Mettler (Abb. 16) statt.
Die Familie Abderhalden wurde bald mit vielen Kindern gesegnet. Das führte dazu, dass mehr Gottesdienste im Lei als auf dem Hüsliberg abgehalten wurden. Ab 1950 fanden dann alle Treffen nur noch bei Abderhalden in Ebnat-Kappel (Abb. 19) statt.

Abb. 19: Das Abderhaldenhaus
im Lei, Ebnat-Kappel.

Bei eisiger Kälte im Winter war für einige Mitglieder nicht selten der Schlitten das Transportmittel zur Kirche. Der lange Weg wurde sonst bei jedem Wetter zu Fuss zurückgelegt.

 

2.4. Widerstand

2.4.1. Abraham Looser – Ein starker Gegner der Kirche

Verena  Sturzenegger, die Tochter von Niklaus  und Elisabetha Sturzenegger, wurde am 12. März 1881 in Ebnat-Kappel geboren. Sie heiratete Abraham Looser vom Hemberg, der wie sie Mitglied der Kirche war. 1912 wanderten sie und ihr Ehemann nach Utah in die Vereinigten Staaten aus. Zwei Jahre später folgten die Eltern und fünf Geschwister von Verena.

In Utah erhielt Abraham nach einiger Zeit eine Vollzeitanstellung bei der Kirche. Zu seinem Nachteil masste er sich in der Kirche zu viel an und wurde auf Grund seines Verhaltens von der Kirchenführung exkommuniziert. Er fühlte sich so beleidigt, dass er Fehler und Widersprüche in den Heiligen Schriften zu suchen begann. Er verspürte den Wunsch das Toggenburg zu besuchen, um dort seine Verwandten vor dem „Mormonismus“ zu warnen.

Diesen Wunsch erfüllte er sich in den Jahren 1955 und 1957. V.a. hielt er Vorträge im damaligen Restaurant Ochsen in Ebnat-Kappel. Er zitierte die HLT-Schriften und legte von ihm kreierte Widersprüche dar. Der Saal im Restaurant war bei all seinen Vorträgen gefüllt. Sogar die „Toggenburger Nachrichten“ druckten einen seiner Vorträge ab.

Abraham, ein grosser, schlanker, schwarz gekleideter Mann, konnte die Menschen hervorragend manipulieren. Er brachte es sogar fertig während seinen Besuchen bei Mitgliedern zu übernachten. Natürlich glaubten die Einheimischen seinen Worten, denn „...er weiss es, er isch dene [in Utah] gsi...“. Auch heute ist Abraham Looser bei älteren Einwohnern Ebnat-Kappels und Umgebung noch ein Begriff. Bei ihnen sind Sätze wie „...de Abraham hets gwüsst...“ und Ähnliches nicht selten zu hören. Im Gegensatz zu Abraham blieb seine Frau Verena ihr Leben lang der Kirche treu.

2.4.2. Zeitungen und andere Kirchen

Beim Forschen in den Bereichen Zeitungen und andere Kirchen kam folgendes Ergebnis zu Tage. Ausserhalb des Toggenburgs war der Widerstand von öffentlichen oder religiösen Organen wesentlich grösser als innerhalb. Die katholische sowie die evangelische Kirche haben die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im Toggenburg nie direkt angegriffen. Warnungen oder Ähnliches von Pfarrern und Priestern waren gerade das einzige was an Widerstand von den beiden Landeskirchen anzutreffen war.

Die Zeitungen verhielten sich ruhig. Über die „Toggenburger Mormonen“ wurde selten etwas geschrieben, was von Herrn Fuchs, Druckereileiter der Druckerei Fuchs in Ebnat-Kappel, bestätigt wurde.

Widerstand ging hauptsächlich von Privatpersonen aus, nicht von öffentlichen Stellen. Dies machte den Mitgliedern das Leben oft unerträglich und viele HLT sahen sich geradezu gezwungen nach Utah auszuwandern

Warum war der Widerstand so einseitig vertreten? Im Toggenburg schlossen sich hauptsächlich (Bauern-)Familien von ausserhalb der Dörfer der Kirche an. Das hatte zur Folge, dass die Dörfer nicht direkt von den Missionaren und ganz allgemein vom „Mormonismus überfallen“ wurden. D.h. Kirchen wie auch Zeitungen nahmen diese neue Lehre ganz anders wahr, als wenn die Missionare in den Dörfern missioniert hätten.

 

2.5. Auswanderung nach Amerika

In den USA musste die Kirche in ihrem Anfangsstadium unter immenser Verfolgung und Unterdrückung leiden. Als die Mormonen jedoch im Salzseetal ankamen, hatten sie nicht mehr gegen die Verfolgung zu kämpfen, sondern gegen die Dürre und Öde der Wüste. Die Herausforderung bestand darin, eine neue Zivilisation aufzubauen.

Die Kirche gründete den „Ständigen Auswanderungsfond“. Mit dem in diesen Fond einbezahlten Geld finanzierte die Kirche armen Mitgliedern auf der ganzen Welt die Reise nach Utah. Sobald diese Mitglieder in Utah oder Umgebung waren und genug Geld verdienten, bezahlten sie den geliehenen Betrag zurück.

Da gerade im Toggenburg die Unterdrückung der Mitglieder durch die Anwohner schnell nicht mehr erträglich war, wurde dieser Fond auch hier rege genutzt. Manche finanzierten sich die Reise selber, indem sie ihr ganzes Hab und Gut verkauften. Als erste tat dies 1882 Elisabetha Sturzenegger mit drei ihrer Kinder. Andere taten es ihr gleich. Viele Familien wanderten bald nach ihrer Taufe aus.

Dadurch war die Mitgliederzahl oft rückläufig. Schätzungsweise wanderten bis zum Jahre 1930 an die 100 Mitglieder aus dem Toggenburg nach Utah aus. Brigham Young sandte einige davon in den Süden, um dort eine Siedlung zu gründen. Immer noch erinnern in der Stadt Santa Clara Bezeichnungen wie „Swiss Drive“ oder „Swiss Town“ und zahlreiche Menschen mit Schweizer Vorfahren an jene Periode.

 

2.6. Gemeindegründung

Bis 1955 waren die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im Toggenburg der Gemeinde St.Gallen angegliedert.

Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit wurden oftmals nur dann Versammlungen abgehalten, wenn ein Mitglied aus St.Gallen diese leitete.

Ab 1950 hielten die Mitglieder die Sonntagsschulen wöchentlich bei der Familie Abderhalden im Lei in Ebnat-Kappel ab. Es verstärkte sich der Wunsch eine selbstständige Gemeinde zu sein, denn ohne Betreuung durch Missionare oder andere Mitglieder aus der Gemeinde St. Gallen konnten keine Versammlungen abgehalten werden.

Am 6. Juni 1954 war es endlich so weit: Der Missionspräsident der Schweizerisch-Österreichischen Mission William F. Perschon organisierte die Gruppe in Ebnat-Kappel in einen Zweig um. Als erster Präsident des Zweiges Ebnat wurde Gottfried Abderhalden eingesetzt. Sein Ratgeber war Albert Giezendanner, Sohn der Elisabeth und des Jakob Albert Giezendanner. Damals waren die Dörfer Ebnat und Kappel noch getrennt. Bei deren politischen Vereinigung 1965 behielt der HLT-Zweig den Namen Ebnat und wurde nicht mit Kappel ergänzt.

 

2.7. Gemeindehausbau

Der Zweig war gegründet, es fehlte jedoch noch immer an einem zentralen Versammlungsgebäude. Die Kirche lancierte zum grossen Glück des Zweiges in jenen Jahren ein weltweites Bauprojekt. Baumissionare wurden berufen, damit sie mit Hilfe der Mitglieder Versammlungsgebäude errichteten. So entstanden in jener Zeit das Versammlungshaus in Ebnat-Kappel, das Pfahlhaus in Zürich-Schwamendingen und noch einige mehr.

Abb. 20: Das Gemeindehaus
in Ebnat-Kappel im Rohbau.

Abb. 21: Der Missionspräsident Russon beim
Spatenstich für das neue Versammlungsgebäude.

Seit der Gemeindegründung suchte Gottfried Abderhalden nach geeigneten Bauplätzen. Über Jahre hinweg war dies seine einzige Freizeitbeschäftigung. Mit Erfolg wie sich zeigte. Am 30. März 1963 konnte bei Schneegestöber der Spatenstich durch John M. Russon, Präsident der Schweizer Mission, erfolgen (Abb. 21). Viele Gäste waren anwesend, darunter auch einige Nichtmitglieder. Schwester Giezendanner und Schwester Mettler kochten für die Anwesenden. Dieser Tag war einer der Höhepunkte der Kirche im Toggenburg.

Einen Tag danach, am 31. März traf der Bauleiter Walter Hertig (emigrierter Schweizer) mit seiner Gattin und zwei seiner Söhne aus Salt Lake City in Wattwil ein. Im Juli desselben Jahres kam der erste Baumissionar aus Deutschland.

Die Baumissionare wohnten bei den Mitgliedern und wurden mit Nahrung und Kleidung versorgt. So hausten bei der Familie Abderhalden, Kägi (Zuzügler aus Arbon), Mettler und Schwester Giezendanner manchmal bis zu fünf oder mehr junge Männer. Diese jungen Männer waren eine grosse Freude für den Zweig. Die Mütter nannten sie ihre „grossen Söhne“. – Natürlich waren es nicht nur diese hervorragenden Burschen, welche das Gebäude auf die Beine stellten, auch die Mitglieder selbst halfen eifrig mit. Nach Feierabend halfen die Männer auf dem Bau und die Frauen sorgten ständig für Verpflegung. Sogar die Kinder waren, sofern sie nebst der Schule Zeit fanden, auf dem Bau anzutreffen.

Abb. 22: So sieht das Gemeindehaus heute aus.

Mitglieder aus anderen Gemeinden, v.a. die Familie Marbacher aus Luzern, unterstützten den Zweig Ebnat materiell. Einmal fand Lisi Mettler zwei grosse Lebensmittelsäcke und einen Geldbeutel vor ihrer Tür hängen. Erst Jahre später erfuhr sie, woher die überaus grosszügige Spende kam und revanchierte sich.

Endlich war es soweit, am 28. November 1964 war das Gebäude zum grössten Teil fertiggestellt und die erste Versammlung fand darin statt. Danach wurden die Missionare auf andere Baustellen geschickt. Siegfried Just aus Deutschland blieb. Er half den Zweig in geistiger Hinsicht aufzubauen. Dies war das erste von Baumissionaren fertiggestellte Versammlungsgebäude in der Schweiz.

Am 18. Juli 1965 sprach Ezra Taft Benson vom Rat der Zwölf, Landwirtschaftsminister im Eisenhower-Kabinett und späterer Prophet der Kirche, das Einweihungsgebet.

 

2.8. Die Kirche entwickelt sich

2.8.1. FHV-Gründung

„6 Schwestern, doch alle verspürten denselben Wunsch, sich in einer Frauenhilfsvereinigung zusammenzuschliessen. Am Abend, den 14. Januar 1951, ging dieser Wunsch in Erfüllung. Ein wunderbarer Geist war unter uns als die Präsidentschaft vorgeschlagen, bestätigt und eingesetzt wurde. Die Schwestern umrahmten die Feier mit einigen Liedern. Mit Tee und Konfekt schlossen wir diesen grossen Tag. Wir waren so begeistert von unserer Frauenhilfsvereinigung, dass wir uns immer sehr spät trennten.“

Die FHV wurde im Haus der Familie Abderhalden gegründet. Elisabeth Giezendanner wurde als erste Präsidentin eingesetzt. Sie führte die FHV trotz hohen Alters bis am 13. März 1966. Die Schwestern der FHV trafen sich seit der Gründung regelmässig.

Am 4. Januar 1953 erfuhr die FHV eine Neugründung. 1957 führte sie eine Geschirrkasse ein, mit dessen Inhalt Geschirr für ein künftiges Gemeindehaus finanziert werden sollte, was später auch geschah.

Einige male hielt die FHV Basare ab um die Geschirrkasse zu füllen oder finanzielle Unebenheiten zu bereinigen. So war dies z.B. 1955 und 1958. Die Schwestern der FHV haben Grossartiges geleistet! Sie organisierten unzählige Aktivitäten, Begrüssungsfeiern für neue Mitglieder und zurückgekehrte Missionare. Sie waren immer eine moralische Stütze für den Zweig. Während den gesamten Jahren des Gemeindehausbaues sorgten sie liebevoll für die Baumissionare und halfen auch tatkräftig auf dem Bau mit. Heute zählt die FHV-Ebnat an die 20 Mitglieder.

2.8.2. Dienstprojekte und Öffentlichkeitsarbeit

Die Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erzählen nicht nur vom Evangelium, sondern betätigen sich gemeinsam mit den Mitgliedern in der Öffentlichkeit. Sie bieten nicht nur ihre Hilfe den politischen Gemeinden an, sondern Informieren auch über Aktivitäten, Events und Lehre ihrer Kirche. Die angeführte Liste gibt einen kleinen Einblick:

  • Am 27. und 28. November 1964 wurde herzlich zur Besichtigung des fertiggestellten Gemeindehauses eingeladen.

  • Am 27. März 1965 wurde im Gemeindehaus ein Abend mit klassischer Musik gestaltet.

  • Am 13. September 1974 organisierte die Kirche in der Aula der Kantonsschule Wattwil einen Filmabend mit „Was uns das alte Amerika erzählt“ und „Das sind die Mormonen“.

  • Am 26. Juli 1975 wurde im Gemeindehaus Ebnat der Film „Was uns das alte Amerika erzählt“ erneut vorgeführt.

  • Am 12.November 1977 fand ein Nachmittag lang eine Vorstellung zum Thema Notvorrat im Gemeindehaus Ebnat statt. Die Kirche lancierte eine schweizweite Aktion unter dem Motto „Vorsorge ist besser als Fürsorge“.

  •  Letztes grösseres Ereignis war anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Ankunft der Pioniere im Salzseetal 1847. Jede Gemeinde bzw. jeder Zweig schenkte ihrer politischen Gemeinde 150 Arbeitsstunden zum Dienste der Öffentlichkeit. Somit halfen die Mitglieder mit grossem Einsatz im Herbst 1998 beim Bau von vier Feuerstellen im Gebiet Salomonstempel in Ebnat-Kappel mit.

Abb. 24: Eine der vier Feuerstellen
im Gebiet Salomonstempel.

2.9. Situationsplan

Abb. 25: Situationsplan

Legende:

  1. Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Steinfelsstr. 17, 9642 Ebnat-Kappel.

  2. Dienstprojekt „150 Jahre Ankunft der Pioniere im Salzseetal“ im Gebiet Salomonstempel in Ebnat-Kappel.

  3. Sturzeneggerhaus in der Nassschwendi in Ebnat-Kappel.

  4. Looserhaus auf der Mistelegg im Hemberg.

  5. Mettlerhaus auf dem Hüsliberg in Ebnat-Kappel.

  6. „Türmlihaus“ auf dem Tüetlisberg in Wattwil.

  7. Giezendannerhaus in Ulisbach in Wattwil.

  8. Abderhaldenhaus im Lei in Ebnat-Kappel.

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